25 Jahre deutsche Einheit – noch nicht im Geldbeutel der Verbraucher

Quelle: DBTV

Höhere Belastung bei Energiekosten im Osten / Verbraucher im Westen erhalten höhere Kredite zu besseren Konditionen / Westdeutsche leisten sich schnellere Autos, zahlen aber weniger für Pauschalreisen

25 Jahre deutsche Einheit – im Geldbeutel der Verbraucher ist sie zum Teil noch nicht angekommen. Das zeigen aktuelle CHECK24-Auswertungen aus dem Jahr 2015. Vor allem bei der Belastung durch Energiekosten unterscheiden sich die „alten“ Bundesländer immer noch deutlich von den „neuen“ – und profitieren von höherer Kaufkraft und niedrigeren Strompreisen.

Auch bei Krediten sind Verbraucher im Westen im Vorteil: Sie erhalten im Schnitt höhere Darlehen zu besseren Konditionen. Gerade bei der Autofinanzierung nehmen die Deutschen im Westen höhere Kredite auf – und fahren auch die PS-stärkeren Boliden und Motorräder.

Sobald es aber in den Urlaub geht, haben die Ostdeutschen die Nase vorne: Im Schnitt geben sie mehr für ihre Pauschalreise aus – obwohl sie nicht länger verreisen.

Energie: Strompreise im Osten höher – Ersparnis durch Wechsel niedriger

2015 sind die Strompreise im Osten immer noch höher als im Westen. In der Grund-versorgung zahlen Verbraucher im Osten im Schnitt vier Prozent, bei den günstigsten Alternativ-versorgern sogar sechs Prozent mehr. Außerdem ist die durchschnittlich mögliche Ersparnis durch den Wechsel von der Grundversorgung in einen Alternativtarif im Westen (274 Euro) höher als im Osten (266 Euro).

Hinzu kommt, dass sich die höheren Energiekosten durch die im Schnitt niedrigere Kaufkraft im Osten doppelt stark auswirkt: Ein-Personen-Haushalten im Osten stehen monatlich im Schnitt 318 Euro weniger zur Verfügung. Deshalb müssen sie 6,3 Prozent ihrer Kaufkraft für Strom- und Gaskosten ausgeben, im Westen sind es nur fünf Prozent.(1)

Auch bei den Hartz IV-Empfängern ist die Kostenlücke durch Energiekosten im Osten größer: Ostdeutsche Ein-Personen-Haushalte zahlen pro Monat 10,49 Euro (31 Prozent) mehr für Strom als im ALG-II-Regelsatz für Energiekosten vorgesehen sind. In Westdeutschland liegt die Differenz nur bei 8,89 Euro (27 Prozent).(2)

Doch die Verbraucher in Ostdeutschland reagieren offensichtlich auf die hohen Stromkosten – und sind sparsamer: Der durchschnittliche jährliche Stromverbrauch liegt im Westen zehn Prozent über dem im Osten.(3)

Finanzen: Verbraucher im Westen erhalten höhere Kredite – für schnellere Autos

Verbraucher im Westen schließen im Schnitt zwölf Prozent höhere Kredite ab als Verbraucher aus dem Osten. Und sie erhalten zudem etwas bessere Konditionen – zum Beispiel bei einem Darlehen von 10.000 Euro mit einer 84-monatigen Laufzeit: Kreditnehmer im Osten Deutschlands zahlen im Schnitt einen effektiven Jahreszins von 4,97 Prozent, im Westen nur 4,83 Prozent – ein Unterschied von knapp drei Prozent.(4)

Bei der Autofinanzierung zeigen sich ähnliche Unterschiede: Verbraucher im Süden und Westen der Republik nehmen deutlich höhere Kredite für einen Pkw auf als im Osten und Norden(5) – und investieren dieses Geld offensichtlich direkt in einen PS-stärkeren Boliden: Im Westen Deutschlands ist der Anteil an Pkw mit mehr als 200 PS um 44 Prozent höher als im Osten.(6) Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Motorrädern: In den östlichen Bundesländern liegen die Motorräder im Schnitt bei unter 70 PS – in den westlichen durchgängig darüber.(7)

Pauschalreise: Ostdeutsche geben mehr aus – und fliegen lieber in die Türkei

Für eine Pauschalreise geben Urlauber aus den östlichen Bundesländern 2014/15 mehr Geld aus als der Bundesdurchschnitt – vor allem die aus Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Dabei verreisen sie in der Regel nicht länger als der gesamtdeutsche Durchschnitt.(8)