Unversorgte Hörminderung kostet die EU 185 Milliarden Euro pro Jahr

Der Welttag des Hörens 2019 steht unter dem Motto "Check your Hearing - Überprüfe dein Gehör". Damit macht der BVHI gemeinsam mit der WHO auf die Bedeutung eines guten Gehörs sowie auf Möglichkeiten seiner Erhaltung und bestmöglichen Versorgung aufmerksam. Quelle: Bundesverband der Hörgeräte-Industrie e.V - BVHI.

Aktionswoche zum Welttag des Hörens 2019 am 03. März unter dem Motto „Check your hearing“.

Die aktuelle Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“ von Prof. em. Bridget Shield, Brunel University London, beziffert die volkswirtschaftlichen Folgekosten unversorgter Hörminderung in Europa. Das Ergebnis für die EU: 185 Milliarden Euro – pro Jahr. Ursachen sind die eingeschränkte Lebensqualität und daraus resultierende Kosten für die Gesundheitssysteme in Höhe von 130 Milliarden Euro sowie Produktivitätsverluste in Höhe von 55 Milliarden Euro.

Die Zahlen für Deutschland sind gleichfalls beeindruckend: Von 5,8 Millionen Menschen (über 15 Jahre) mit einer beeinträchtigenden Hörminderung tragen lediglich 2 Millionen Hörgeräte. Die jährlichen Kosten des Versorgungsdefizits aufgrund von Produktivitätsverlusten bei betroffenen Personen im Erwerbsalter und gesunkener Lebensqualität belaufen sich auf 39 Milliarden Euro. Pro Person mit unversorgtem Hörverlust sind das 10.300 Euro jährlich.

Die 2019 veröffentlichte Studie knüpft an die erste Untersuchung von Prof. em Shield aus dem Jahr 2006 an und bestätigt den Befund, dass unversorgte Hörschäden nicht nur immense Folgen für die Volkswirtschaft haben, sondern auch für die Gesundheit und das individuelle Wohlbefinden. „Unversorgte Schwerhörigkeit belastet nicht nur die soziale Kommunikation, sondern erhöht auch das Risiko schwerwiegender Folgeerkrankungen wie Depression oder Demenz,“ erläutert Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Hörgeräte-Industrie (BVHI).

Berufliche Nachteile für hörgeminderte Menschen

Die Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“ kommt weiterhin zu dem Ergebnis, dass Menschen mit einer unversorgten Schwerhörigkeit eher in Berufen mit niedrigerem Anforderungsprofil arbeiten, als (Hör-)Gesunde oder mit Hörsystemen versorgte Arbeitnehmer. Zudem arbeiten jene häufiger in Teilzeit oder sind in Frührente. Gründe für berufliche Nachteile durch eine Hörschwäche sind sowohl funktional als auch persönlich. So haben es Menschen mit einer Hörminderung etwa in Besprechungen oder Telefonkonferenzen deutlich schwerer als ihre Kollegen. Das Pausengespräch in der Kantine ist anstrengend, wenn nicht gar unmöglich. Einen Arbeitstag mit eingeschränktem Gehör zu überstehen ist ermüdend – körperlich und mental.

Schwerhörigkeit verursacht Erschöpfung und Schlafmangel

62 Prozent der schwerhörigen Europäer ohne Hörgeräte fühlen sich nach der Arbeit körperlich erschöpft – unter den Hörgeräteträgern sind es lediglich 39 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die EuroTrak Studie Deutschland 2018 und ergänzt damit die Befunde von Prof. em. Shield. Die EuroTrak-Studie erhebt Häufigkeit und Folgen selbsteingeschätzter Schwerhörigkeit im europäischen Vergleich. So empfinden 52 Prozent der unversorgten Schwerhörigen nach Feierabend neben körperlicher Erschöpfung auch mentale Ermüdung – gegenüber 31 Prozent der Hörgeräteträger. Dass der Grund hierfür nicht allein in der Arbeit liegt, zeigen die Angaben zur Schlafqualität: 65 Prozent der Hörgeräteträger sind mit ihrer Nachtruhe zufrieden, hingegen nur 43 Prozent der unversorgten Schwerhörigen. „Die Versorgung mit Hörsystemen hilft nicht nur, akustisch wieder mit dem beruflichen und privaten Umfeld in Verbindung zu treten, sondern fördert insgesamt Gesundheit und Wohlbefinden“, sagt Dr. Stefan Zimmer.

Welttag des Hörens 2019 – Check your hearing!

„Die jüngeren Studienergebnisse belegen eindrucksvoll sowohl die hohe individuelle, gesundheitliche als auch die gesamtgesellschaftliche und volkswirtschaftliche Relevanz der Hörgeräteversorgung. Regelmäßige Hörtests und die frühzeitige Konsultation durch HNO-Ärzte und Hörakustiker sind besonders wichtig. Darauf wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern zum Welttag des Hörens in Deutschland, Österreich und in der Schweiz aufmerksam machen“, führt Dr. Stefan Zimmer weiter aus.

Der Welttag des Hörens 2019 steht unter dem Motto „Check your Hearing – Überprüfe dein Gehör“. Damit macht der BVHI gemeinsam mit der WHO auf die Bedeutung eines guten Gehörs sowie auf Möglichkeiten seiner Erhaltung und bestmöglichen Versorgung aufmerksam. Unterstützt wird der Aktionstag bundesweit von Hörakustikern und HNO-Ärzten. Schirmherr der deutschen Kampagne ist der Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn. Die Hörakustikerverbände in Österreich und in der Schweiz beteiligen sich erstmals an der deutschsprachigen Kampagne.

Wachsende Sichtbarkeit in der Gesellschaft

Da der Welttag 2019 auf einen Sonntag fällt, verteilen sich die meisten Aktionen auf die Woche vor und nach dem 3. März. Auf der Website www.welttag-des-hoerens.de sind alle bundesweit stattfindenden Aktionen aufgelistet.

„In den vergangenen Jahren haben weltweit immer mehr Partner und Länder die Kampagne zum Schutz des Gehörs und zur Versorgung einer Hörminderung im Rahmen des Welttages begleitet. Allein in Deutschland erreichte der Welttag des Hörens 2018 knapp 26 Millionen Menschen“, freut sich Dr. Shelly Chadha, Leiterin des Programms zur Prävention von Taubheit und Hörverlust bei der WHO.

Über die Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“:

Die Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“ wurde von Prof. em. Bridget Shield mit Unterstützung von Prof. Mark Atherton, Brunel Universität London erstellt. Im Jahr 2006 verfasste Prof. em. Bridget Shield den ersten Bericht zu diesem Thema unter dem Titel „Evaluation of the Social and Economic Costs of Hearing Impairment“. Die Kosten durch geringere Lebensqualität errechnen sich aus der Anzahl der Schwerhörigen aufgeteilt nach Schwere des Hörverlustes, dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der einzelnen Länder sowie eigenen Berechnungen Shields anhand des „Health Utility Index“ zur Kosten-Nutzen-Analyse von Behandlungsmaßnahmen bei Hörverlust. Die Kosten durch Produktivitätsverluste errechnen sich aus der Anzahl der schwerhörigen Personen im erwerbsfähigen Alter, der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der Beschäftigungsquote der 15- bis 64-Jährigen.