Konsum und Genuss werden zu digitalen Innovationstreibern für die Lebensmittelindustrie

Future of Food © Chloé Rutzerveld

Das Abendessen einfach per App zusammengestellt und bestellt, vorzugsweise vegan; im Supermarkt den Apfel via QR-Code bis zum Obstbauer zurückverfolgt und Restaurants, in denen via iPad bestellt und mit Online-Warenkörben bezahlt wird: Nicht nur in den Startup-Schmieden wird in innovative Food-Konzepte wie Freight Farming, Hydro-Kultivierung von Pflanzen in Übersee-Containern, oder Menüs aus dem 3D-Printer investiert. Allein in Deutschland wurden 2015 drei Milliarden Euro entlang der gesamten Wertschöpfungskette in die Bereiche Herstellung, Verarbeitung und Logistik investiert. Fakt ist: Die digitale Revolution überrollt die Lebensmittelindustrie. Doch wie kann die Lebensmittelbranche reagieren und vor allem davon profitieren?

Bewusste Ernährung und inszenierte Genusswelten

In den letzten zwei Jahren hat Ernährung einen ganz neuen Stellenwert erhalten. Social Eating, Ausdruck eines gemeinschaftlichen Lebensgefühls, hat die Fast Food Mentalität überholt, welches durch die Vielfältigkeit an Angeboten wie Pop Up-Restaurants, Fusionküchen, Food Trucks oder Frische-Automaten unterstrichen wird. Frühere Nischen-Bewegungen wie glutenfreie Ernährung und Veganismus sind endgültig im Mainstream angekommen. Auch Verbraucher werden zunehmend experimentierfreudiger und sind bereit, höhere Kosten für neuartige Genuss-Erlebnisse hinzunehmen. Auf der anderen Seite entstehen gleichzeitig starke Anforderungen an die Produzenten: Lebensmittel aus regionaler und BIO-Produktion werden immer attraktiver und Verbraucher lassen ihre Kaufentscheidungen von fairer Produktion, effektivem Tierschutz, konsequenter Gentechnikfreiheit und wirksamen Umweltstandards leiten. Zudem erreichen Food Blogging und Mundpropaganda zunehmende Resonanz und haben mit ihrem Einfluss die klassischen Werbebotschaften längst abgelöst.

Marken müssen sich dem Wertewandel stellen

Der Zugang zu Speisen und Getränken wird durch neue Technologien schneller, intelligenter und komfortabler. Ernährung, Konsum und Genuss werden digital und Technologien zum Treiber für Forschung und Entwicklung. Der Wertewandel ist in vollem Gange und Produzenten sind jetzt gefragt, ihre Strategien zu optimieren und sich entsprechend der verändernden Bedürfnisse neu zu positionieren. Der Coffee House-Riese Starbucks suchte zum Beispiel mittels globaler Open Innovation nicht nur nach einem wiederverwendbaren Kaffeebecher, sondern auch nach Lösungen, die bei den Kunden des Kaffeespezialisten auch Verhaltensänderungen bewirken sollen.  Coca-Cola zog nach und ließ die Schwarmintelligenz im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie „Lebe die Zukunft“ über innovative Designkonzepte für die Mehrweg-Getränkekiste  nachdenken. Das Potential ist groß. Produzenten wie auch Händler stehen vor der Herausforderung, nicht nur ihre Prozesse, angefangen bei der Entwicklung über Produktion bis zum Verkauf, zu optimieren und diesem Wandel anzupassen, sondern auf gleicher Ebene zunehmend den Kunden in die Entscheidungsprozesse durch Dialog, Transparenz und Interaktion einzubinden. Für das laufende Jahr rechnen Experten mit einem weiteren Anstieg des Investitionsvolumens auf knapp 3,5 Milliarden Euro. Statt hinter verschlossenen Türen zu forschen, sind Unternehmen heute aufgefordert sich zu öffnen. Über Open Innovation und Crowdsourcing Methoden etablieren Unternehmen eine Schnittstelle zu globalen Trends außerhalb der eigenen Organisation, die gleichzeitig der Geschwindigkeit der Veränderungen gerecht werden kann.

Wer in Zukunft auf dem Markt eine Rolle spielen und als authentische und verantwortungsvolle Marke punkten will, muss sich nicht nur jetzt, sondern regelmäßig auf den Prüfstand stellen. Im internationalen Vergleich bleibt in Deutschland das vorhandene Potential globaler und offener Innovations-Projekte noch weitgehend ungenutzt. Hier kommt es aber nicht nur auf den Anstoß derartiger Projekte an. Vielmehr sind Unternehmen gefragt, Ideen bis zur Markttauglichkeit zu entwickeln und umzusetzen.

Gastbeitrag von jovoto:

jovoto ist eine kollaborative Ideenplattform, bei der eine übergreifende Crowd aus der Kreativwirtschaft weltweit gemeinsam Konzepte und Lösungen vor allem für Unternehmen und Non-Profit Organisation entwickeln. Mit dem Ziel, Global Brands und Organisationen einen entscheidenden Innovationsvorsprung zu verschaffen, ermöglicht jovoto Kreativen damit einen Raum, in dem sie flexibler und selbstbestimmter arbeiten können. Crowdstorming wird damit nicht nur ein wichtiger Innovations-Treiber, sondern etabliert sich als nachhaltiges Arbeitsmodell der Zukunft.

Bastian Unterberg gründete jovoto 2007 an der Universität der Künste Berlin. Die mittlerweile auf über 82.000 Kreative angewachsene Community hat bereits mehr als mehr als 380 Crowdstorms erfolgreich realisiert, u.a. für Coca-Cola, Audi oder Greenpeace.