Shenyang: Ein Zuhause für deutsche Unternehmen

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Im neuen Deutsch-Chinesischen Industriepark im Tiexi Distrikt können deutsche Unternehmen dank der herausragenden Infrastruktur und zuverlässigen Services nicht nur wie zu Hause arbeiten, sondern der Park stellt auch einen Meilenstein bei der Transformation der chinesischen Provinz Liaoning in einen der führenden chinesischen Hightech-Standorte dar.

Die Hauptstadt Shenyang wird schon seit Langem als das Ruhrgebiet des Ostens und die Wiege der chinesischen Industrieentwicklung angesehen und sie ist eng mit dem Aufstieg der Schwerindustrie und dem Maschinenbau verbunden. Rauchende Kamine werden jedoch immer seltener. Heute nimmt die Provinz Liaoning mit ihrer Wirtschaftsleistung von ca. 400 Milliarden Euro den siebenten Platz unter den 31 chinesischen Provinzen ein.

Seit über zwölf Jahren ist Shenyang der Standort von BMW und seiner Zulieferer Continental, Delphi und ZF, die weltweit führende Technologie anbieten. Bis heute haben in München beheimatete Unternehmen hier mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge gebaut.

Der neue Deutsch-Chinesische Industriepark ist eine logische Weiterentwicklung des Standortes. Vor einem Jahr wurde er als nationales Pilotprojekt vom Staatsrat der Volksrepublik China genehmigt. Er ist Teil der chinesischen „Made in China 2025“ Strategie und dient als eines der zentralen Gateways für die deutsche „Industrie 4.0“ Initiative. Neue Methoden für „intelligente Fertigung“ werden in diesem Park getestet.

Der Park ist jedoch nicht nur ein Bindeglied zu Hightech, sondern er bietet Unternehmen, die Partner in China suchen oder im chinesischen Markt Fuß fassen wollen, ganz konkrete praktische Vorteile. Ein Team aus Servicemitarbeitern nimmt sich aller administrativen Fragen an, vom Finden von Apartments bis hin zu Visumanträgen und es steht Unternehmen ein Netzwerk mit Kontakten zur Verfügung. Kleinen und mittelgroßen deutschen Unternehmen werden kostenlose Lagermöglichkeiten für ihre Produkte geboten. Ebenso wird bei den Büromieten ein Rabatt von 50 Prozent auf den Marktpreis gewährt. Wenn sich ein Unternehmen entschließt, zu bleiben und zu expandieren, gibt es Preisnachlässe von bis zu 30 Prozent auf den Erwerb von Land oder die Erweiterung von Produktionsstätten. Es wurde bereits Interesse aus der ganzen Welt angemeldet. Anfragen kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Japan, der Schweiz, Australien und Spanien.

Mehr als 50 deutsche Unternehmen haben sich bereits in Tiexi angesiedelt, darunter Festo, Siemens und BASF. Es besteht einmal pro Woche eine direkte Zugverbindung mit Duisburg, über die BMW Autoteile nach Shenyang bringt. Das 48 Quadratkilometer große Gebiet (12 km x 4 km) verfügt über eine ideale Infrastruktur und ist daher ein international wettbewerbsfähiger Standort für Spitzentechnologien.

Der Deutsch-Chinesische Industriepark befindet sich in einem Industriegebiet des Tiexi Distrikts, in dem Marktführer wie die Shenyang Machine Tool Group (SYMG), der Turbinenhersteller Shenyang Blower Works oder eine Fabrik für Bergbauausrüstung von Sany, eines der größten Baumaschinenhersteller des Welt, angesiedelt sind.

Das in Stuttgart ansässige Architektur- und Stadtplanungsbüro SBA war für die Rahmenplanung des Tiexi Industrieparks verantwortlich. „Das „grüne“ Projekt zielt auf die Kombination von Industrie und auf den Menschen ausgerichtetes Leben ab“, erklärt Oliver Lambrecht, Senior City Planner von SBA. Das Ziel ist eine lebenswerte „City 4.0“ mit vielen Grünflächen und geringen Emissionen.

Der hervorragende Standort macht den Deutsch-Chinesischen Industriepark besonders attraktiv. Mehrere U-Bahnlinien verbinden den Deutsch-Chinesischen Industriepark mit dem Stadtzentrum. Das jüngste Wachstum zeigt, dass der Park nicht nur deutsche, sondern auch internationale Unternehmen überzeugt. Tian Fang, der Vertriebsmanager für China des US-amerikanischen Wagon- und Lokomotivenherstellers Wabtec, hat unlängst im Deutsch-Chinesischen Industriepark investiert. „Die Lohnkosten sind geringer, die Politik unterstützt, wo es ihr möglich ist, und die Transparenz ist bei den Behörden größer als an anderen Standorten in China“, sagte der Geschäftsmann. Wabtec plant, in den kommenden fünf Jahren erheblich zu investieren. Die Tatsache, dass sich BMW an diesem Standort befindet, ist ein Vertrauensbonus für deutsche und internationale Unternehmen.

Um Vertrauen aufzubauen, wurde unlängst ein Serviceunternehmen gegründet, das den Zugang deutscher Firmen zum chinesischen Markt weiter vereinfachen soll. Der Managing Director des German-Chinese Service Center Kaiqing Liang plant ein Ausbildungsnetzwerk aufzubauen, das Mitarbeitenden Grundausbildung und Weiterbildung vor Ort ermöglicht. Die zweigleisige Ausbildung, die auf dem deutschen Modell aufbaut, ist ebenso ein Ziel, wie Schulen mit internationalem Standard für die Kinder neu ankommender Familien. Bisher steht Schülern eine deutsche Schule bis zur 10. Jahrgangsstufe zur Verfügung. In absehbarer Zukunft werden sie an einer Oberschule in Shenyang auch das Abitur ablegen können. Ebenso ist ein deutscher Arzt für den Deutsch-Chinesischen Industriepark geplant.

Für Harald Kumpfert, den Vorsitzenden der Europäischen Handelskammer in Shenyang, der vor sechs Jahren nach Shenyang kam, ist dies ebenso für seinen Sohn wichtig, wie auch für die Möglichkeit „hochkarätige“, ausgebildete Arbeitskräfte in Shenyang einstellen zu können. Er hat sich schon sehr früh in der Nähe des Deutsch-Chinesischen Industrieparks niedergelassen. „Für alle, die nach Shenyang kommen, bietet der Deutsch-Chinesische Industriepark eine hervorragende Möglichkeit. Ganz besonders aber, wenn die Produkte in den Bereich intelligenter Fertigung fallen“. Er ist mit dem Geschäft durchaus zufrieden. Sein Unternehmen, Eco-WIT New Energy, stellt für die kalten Wintertage intelligente Heizsysteme für Produktionshallen her.