Kreditneugeschäft in Deutschland auf holprigem Weg bergauf

Quelle: DBTV

Das Kreditneugeschäft der deutschen Banken und Sparkassen mit Unternehmen und Selbständigen wächst im dritten Quartal dieses Jahres erstmals seit dem Frühjahr 2015 wieder. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigt es um 1,0%, wie der aktuelle KfW-Kreditmarktausblick zeigt. Auch für das Schlussquartal rechnet KfW Research mit einer Zunahme der Kreditneuvergabe, ist aber nur vorsichtig optimistisch bezüglich der Entwicklung nach dem Jahreswechsel. Denn die eng mit der Kreditnachfrage zusammenhängende Investitionsbereitschaft der Unternehmen bleibt insgesamt relativ schwach. Das dürfte die Kreditmarktdynamik 2017 dämpfen.

Die Belebung des Kreditneugeschäfts mit Unternehmen und Selbständigen über den Sommer kommt überraschend, da sie in die Monate nach dem Brexit-Votum fällt. Die Unternehmen haben ihre Kreditaufnahmen danach jedoch nur für kurze Zeit auf Eis gelegt. Nachdem sich im Juli der Staub des Referendums gelegt hatte, zog die Kreditvergabe an, sodass es für das gesamte Quartal noch zu einem höheren Neugeschäft im Vorjahresvergleich reicht. Dabei wurden vor allem langfristige Kredite neu vergeben, die von den Unternehmen meist zur Finanzierung von Investitionen genutzt werden. Dies könnte darauf hinweisen, dass die Unternehmensinvestitionen nach zwei schwachen Quartalen zum Jahresschluss hin wieder etwas anziehen.

„Der Anstieg des Kreditneugeschäfts mit Unternehmen ist erfreulich, aber er darf nicht überinterpretiert werden“, kommentiert KfW-Chefvolkswirt Dr. Jörg Zeuner. „Rückenwind geben zwar die guten Angebotsbedingungen am Kreditmarkt und die robuste deutsche Konjunktur, doch die Investitionsbereitschaft der Firmen ist trotz einer sich andeutenden Erholung weiter eher mau. Ich erwarte hier angesichts der gestiegenen politischen Unsicherheiten dies- und jenseits des Atlantiks für das kommende Jahr auch keine klare Trendwende. Der Weg des Kreditneugeschäfts weist folglich nach oben, aber er dürfte holprig werden.“