Klüh Stiftung ehrt Wissenschaftler für wegweisende Forschung zu Schilddrüsenkarzinomen

Laudator Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, Stiftungsgeber Josef Klüh, Preisträger Prof. Dr. med. James Nagarajah, Düsseldorfs OB Thomas Geisel und Prof. Coordt von Mannstein, Vorsitzender des Stiftungsbeirats (von links) bei der Verleihung des Stiftungspreises. Quelle: Klüh Service Management GmbH.

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis der Klüh Stiftung zur Förderung der Innovation in Wissenschaft und Forschung geht in diesem Jahr an den am Universitätsklinikum Essen sowie am Universitätsklinikum Radboudumc in Nijmwegen lehrenden Wissenschaftler Prof. Dr. med. James Nagarajah (43).

Der Forscher hat ein neues Kapitel in der Behandlung des sogenannten RAIR Schilddrüsenkarzinoms aufgeschlagen. Er markierte einen Weg zur erfolgreichen Behandlung dieses regelmäßig zum Tode des Patienten führenden Karzinoms. Laudator bei der Verleihung des Preises in Düsseldorf war Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer.

Der aus Sri Lanka stammende Ausnahme-Wissenschaftler konnte in präklinischen Experimenten überzeugend darlegen, wie auch RAIR Karzinome erfolgreich behandelt werden können. Das Schilddrüsenkarzinom wird mit Radiojod behandelt. Mithilfe der Nuklearmedizin können danach Metastasen dank ihrer Jodmarkierung detektiert, bestrahlt und therapiert werden. Etwa 75 % der Metastasen verliert jedoch die Eigenschaft das Jod aufzunehmen und entziehen sich somit einer Radiojodtherapie. Diese Metastasen werden als Radiojodrefraktär (RAIR) bezeichnet.

Manipulation mit Substanzen

Der Schlüssel zu dem bemerkenswerten Forschungserfolg Prof. Nagarajahs lag darin, dass die treibenden Mechanismen der Jodnegativität identifiziert werden konnten und Wege gefunden wurden, diese Mechanismen zu manipulieren. Die Manipulation erfolgte mit Substanzen, die in die Signalwege an bestimmten Stellen eingreifen und damit diese Wege blockieren. Der Wissenschaftler konnte somit nachweisen, dass eine Redifferenzierung der Schilddrüsenkarzinome erreicht wird, wodurch diese Tumore dann erfolgreich mit einer Radiojodtherapie behandelt werden können.

Der renommierte Nuklearmedizininer Prof. Dr. Dr. Andreas Bockisch, der 20 Jahre lang die Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Essen leitete, sagt: „Dieser Therapieansatz ist ein Meilenstein für die Therapie dieser Patienten.“

Nach dem Erfolgsnachweis durch erste klinische Daten leitet Prof. Nagarajah jetzt eine prospektive klinische Studie, die weltweit erstmalig dieses Therapiekonzept für RAIR Schilddrüsenkarzinome am Universitätsklinikum Duisburg-Essen untersucht. Diese Studie wird in enger Kooperation mit dem renommierten Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York durchgeführt und hat bereits erste Patienten rekrutiert. Da Schilddrüsenkarzinome zu der am schnellsten wachsenden Tumorentität gehören (USA: 40.000 neue Fälle), ist den Forschungsergebnissen des Wissenschaftlers hohe Relevanz beizumessen.

„Ausgeprägte wissenschaftliche Neugier“

Der 2016 emeritierte Prof. Bockisch sagt über den Kollegen, der als Zehnjähriger nach Deutschland einreiste und heute deutscher Staatsbürger ist: „Prof. Dr. med. James Nagarajah hebt sich von anderen Nachwuchswissenschaftlern durch seine ausgeprägte wissenschaftliche Neugier und hohe Begeisterungsfähigkeit ab. Gleichzeitig weist er eine sehr hohe soziale Kompetenz und gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein auf.“

Der gebürtige Srilanker machte sein Abitur als Jahrgangsbester und wurde bereits während seines Studiums in Gießen in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen. Im Juni 2010, mit 34 Jahren, wurde PD Dr. Nagarajah mit magna cum laude von der Medizinischen Fakultät in Essen promoviert und schon zwei Jahre später, im Juli 2012, habilitierte er sich dort. Der Wissenschaftler hat mit einer Fülle stark beachteter Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht. Im Juli 2013 erhielt Dr. Nagarajah ein Stipendium von der DFG und wurde als „visiting investigator“ im Memorial Sloan Kettering Cancer Center (MSKCC) in New York, USA, für zwei Jahre eingestellt und im folgenden Jahr zum „Visiting Professor“ befördert.

Prof. Coordt von Mannstein, Vorsitzender des Beirats der Klüh Stiftung: „Ich danke dem Stiftungsgeber Josef Klüh und dem Beirat, insbesondere Prof. Dr. Alfons Labisch, für die Möglichkeit, wiederum einen herausragenden Wissenschaftler auf erfolgversprechendem Weg zu begleiten. Ich bin überzeugt, dass Prof. Nagarajah mit seiner Begeisterung für die Wissenschaft und seiner hohen Kompetenz noch sehr viel zum Wohle der Menschheit erreichen wird.“

Über die Klüh Stiftung:

Die 1987 anlässlich des 75. Firmenjubiläums des Düsseldorfer Familienunternehmens Klüh Service Management durch Unternehmensinhaber Josef Klüh gegründete Stiftung zur Förderung der Innovation in Wissenschaft und Forschung hat seitdem Stiftungspreise in einer Gesamthöhe von rund 780.000 Euro ausgeschüttet. Die Stiftung hat in den letzten Jahren ein breites Spektrum an medizinischen Forschungsprojekten unterstützt.