Frauen bleiben in der Finanzbranche unterrepräsentiert.

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Finanzdienstleister leiden besonders unter dem Mangel an gut ausgebildeten Kandidaten. Mehr Offenheit und Engagement bei der Talentsuche nötig.

Finanzdienstleister leiden nach eigenen Angaben ganz besonders unter dem Mangel an geeigneten Fachkräften. Gleichzeitig sind sie die Berufsgruppe, die die größten Schwierigkeiten hat, die Prinzipien Inklusion und Diversität im Bewerbungsverfahren erfolgreich umzusetzen. Zwar haben 91 Prozent der Unternehmen spezielle Einstellungsprogramme für mehr Vielfalt. Doch verzeichnet lediglich knapp ein Drittel der Firmen einen Anstieg bei weiblichen Bewerbern; nur 22 Prozent können auf einen Zuwachs an Bewerbungen von Minderheiten verweisen. Unter den Frauen in der Finanzbranche sind 53 Prozent der Meinung, ihr Unternehmen rede zwar über Vielfalt am Arbeitsplatz, schaffen aber nicht die gleichen Möglichkeiten für alle.

Finanzdienstleister sollten daher ihre Personalbeschaffungsprogramme überdenken. Nur wenn sie sich weiter öffnen, können sie im anhaltenden Kampf um Fachkräfte punkten. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Gaining an edge in the competition for talent: Inclusive recruitment in financial services“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, für die weltweit 276 Vertreter von Finanzdienstleistern befragt wurden.

Frauen erleben Diskriminierung.

Fast 30 Prozent der befragten Frauen geben an, die Finanzbranche stelle immer noch bevorzugt Männer ein. Selbst Kandidatinnen mit gleicher Berufserfahrung würden verglichen mit ihren männlichen Kollegen seltener für Einstellungen oder Beförderungen berücksichtigt. Diese Ergebnisse sind besonders bedenklich vor dem Hintergrund, dass Bewerber zumeist vor dem Erstkontakt mit einem Unternehmen sichergehen wollen, nicht aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder anderer Dispositionen benachteiligt zu werden. Firmen, die die Prinzipien Diversität und Inklusion erfolgreich im Rekrutierungsverfahren abbilden, geben an, dass sie systematisch die Ursachen für Benachteiligungen identifizieren und eliminieren. So werden beispielsweise spezielle Interviewtrainings angeboten oder Quoten für die Anzahl eingeladener Bewerber ausgegeben. Doch lediglich 22 Prozent der Unternehmen akzeptieren nach eigener Aussage so genannte anonymisierte Bewerbungen.

„Bedenklich stimmt an den Ergebnissen unserer Studie, dass die zahlreichen Bemühungen der Finanzdienstleister in Sachen Diversität und Inklusion bei Bewerbern nicht anzukommen scheinen“, sagt Susanne Eickermann-Riepe. Sie ist Partner bei PwC und zeichnet für das Thema Diversity verantwortlich. „Hier muss die Branche deutlich transparenter, aber auch offensiver werden, um Kandidaten nicht schon vor der Bewerbungsphase zu verlieren.“