Deutschland, wenig Gründerland – wie ist das Wirtschaftswunder 2.0 zu schaffen?

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Ist dem Gründerstandort Deutschland noch zu helfen?

Deutschland hat gerade im letzten Jahrzehnt durch die große Anzahl von Inkubatoren und Acceleratoren, erfolgreiche Seriengründer und sehr aktive Business Angels eine attraktive und dynamische Start-Up Kultur geschaffen. Eine Vielzahl von staatlichen Finanzierungs- und Förderprogrammen sowie die unzähligen Veranstaltungen haben der Gründerszene gute Impulse gegeben. Inzwischen werden deutsche Gründungen für inländische und ausländische Investoren zunehmend attraktiver. Große Konzerne und Mittelständler aus den unterschiedlichsten Branchen finanzieren Start-Ups mit eigenen Venture Einheiten oder beteiligen sich an Fonds. Dennoch liegt die Gründerquote in Deutschland im gesamteuropäischen und internationalen Vergleich laut aktuellem Global Entrepreneurship Monitor immer noch deutlich unter dem Durchschnitt. Was muss getan werden, um das Start-Up Ökosystem in Deutschland weiter voran zu bringen? Diese und weitere Fragen werden auf dem Family Day 2015 des High-Tech Gründerfonds (HTGF) in Bonn diskutiert.

Auch wenn junge Technologieunternehmen aufgrund der hohen Risiken üblicherweise deutlich mehr Überzeugungskraft benötigen, um von Investoren Kapital zu erhalten, sind die Finanzierungsquellen in Deutschland vielfältiger geworden. Denn es steht eine große Anzahl von privaten, institutionellen und auch staatlichen Töpfen bereit. Und auch bei den Vorbereitungen – wie der Begleitung beim Erstellen des Businessplans, der Bereitstellung von Büro- oder Laborfläche, dem Coaching und vielem mehr – stehen Gründern unzählige Starthilfen bereit.

Im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesrepublik und der BMWi-Initiative „Gründerland Deutschland“ wurde 2005 beispielsweise der High-Tech Gründerfonds ins Leben gerufen, um die Finanzierungslücke bei risikoreichen High-Tech Start-Ups zu schließen. Mittlerweile ist der HTGF der aktivste Frühphasenfinanzierer Europas. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat der Fonds über 400 Unternehmen finanzielle Starthilfe gegeben und diese mit Know-how und wichtigen Netzwerken unterstützt. Die Portfoliounternehmen sind außerordentlich erfolgreich. Fast eine Milliarde Euro sind in weiteren Finanzierungsrunden durch weitere Investoren in das Portfolio des HTGF geflossen. Die Anteile von knapp 50 Unternehmen wurden bereits erfolgreich verkauft. Die Käufer sind überwiegend große und mittlere Unternehmen oder strategische Investoren, die besser in der Lage sind, die ausgereiften Innovationen groß zu machen. Erfolg zeigen auch die Umsätze der finanzierten Unternehmen: Fast 1,5 Milliarden Euro konnten die Portfoliounternehmen des High-Tech Gründerfonds in den letzten zehn Jahren erwirtschaften.

„In vielen Branchen steckt noch sehr viel Potenzial für Gründungen, das Interesse seitens der Industrie ist sehr groß, dennoch sehen wir hier noch viel zu wenig Start-ups. So z.B. in der Chemie oder angrenzenden Disziplinen wie der Energiespeicherung. Aber auch im klassischen Maschinenbau, der Sensorik oder der (Service-) Robotik sowie der FinTech Branche sehen wir hervorragende Chancen für Gründungen“, sagt Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des HTGF. „Start-Ups, die Disruptionen in diesen Technologien hervorbringen, werden für das weitere Wachstum des Industriestandorts Deutschland benötigt. Die Performance unserer Portfoliounternehmen aus den oben genannten Bereichen und aus den klassischen deutschen Industrien ist überdurchschnittlich“, bestätigt der zweite Geschäftsführer des Fonds, Dr. Alex v. Frankenberg. Die Innovationspotenziale tragen dazu bei, das Wirtschaftswunder 2.0 zu schaffen.