Bei Big Data schlagen zwei Herzen in meiner Brust

Quelle: DBTV
Prof. Dr. techn. Dieter W. Fellner Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie Leiter des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD Professor für Informatik an der Technischen Universität Darmstadt

Prof. Dr. techn. Dieter W. Fellner Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds IUK-Technologie. Leiter des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD. Professor für Informatik an der Technischen Universität Darmstadt. (c) Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie.

Neuer Vorsitzender des Fraunhofer IUK-Verbunds sieht in der Analyse großer Datenmengen Chance für mehr Transparenz

Der neue Vorsitzende des Fraunhofer-Verbunds für Informations- und Kommunikationstechnologie ist Professor Dieter W. Fellner vom Fraunhofer IGD in Darmstadt. Fellner folgt auf Professor Matthias Jarke, der den Verbund seit dem Jahr 2010 in zwei Amtszeiten geleitet hat.

Der IUK-Verbund im Netzwerk der Fraunhofer-Gesellschaft ist Dienstleister und Ansprechpartner für Unternehmen und Anwender bei Fragen zu IT-Innovationen. Mitglieder sind aktuell 19 Fraunhofer-Institute, die für verschiedene Industriebranchen angewandte IT-Forschung und ‑Entwicklung betreiben.

Mit dem neuen Vorsitzenden wechselt auch die Geschäftsführung in der Berliner Geschäftsstelle des Verbundes. Neuer Geschäftsführer ist Alexander Nouak, zuvor Abteilungsleiter für »Identifikation und Biometrie« am Fraunhofer IGD.

Dieter Fellner sieht das übergreifende Kernthema der IT-Forschung im Umgang mit komplexen Daten. Jedes der neun Geschäfts- und acht Technologiefelder des IUK-Verbunds beschäftigt sich im engeren oder weiteren Sinne mit der Gewinnung, der Verarbeitung, der Visualisierung und auch mit dem Schutz von Daten. Ziel ist in jedem Falle – egal, ob es um Energienetze, Simulation, Mensch-Computer-Interaktion, Medizintechnik oder Industrie 4.0 geht – Innovationspotenziale zu heben und auf nationaler und europäischer Ebene die Perspektive einer digitalen Datenökonomie mit neuen, anwendungsnahen Technologien zu stärken.

Forschungsbedarf sieht Fellner in der Erschließung besonders großer Datenmengen, genannt »Big Data«. Dafür werden ganz neue technologische und methodologische Herangehensweisen benötigt.

»Wenn ich mir vorstelle, wer alles Daten und mit welcher Akribie sammelt, dann stehe ich dem Thema Big Data selbst auch skeptisch gegenüber«, sagt Fellner. »Bedenkt man aber, dass aus komplexen Datenwüsten nutzbare Informationen zum Wohle der Allgemeinheit gewonnen werden können, ist es sinnvoll, dieses Potenzial zu nutzen. Das gilt insbesondere für die Medizin und das Management von Energienetzen – da schlagen einfach zwei Herzen in meiner Brust.« Fellner betont, die Herausforderung liege darin, Transparenz zu schaffen, anstatt diese durch zweifelhafte Anwendungen zu verhindern.

Auf der politischen Ebene will Fellner in seiner Amtszeit die Profilbildung des Verbunds auf nationaler Ebene fortführen: »Darüber hinaus geht unser Blick aber auch in Richtung Europa. Wir wollen uns zukünftig verstärkt mit den fachspezifischen Entscheidungsträgern der Europäischen Union unterhalten und mit ihnen zusammenarbeiten. Der Fraunhofer-Verbund IUK-Technologie soll dort als erster Ansprechpartner für Forschungs- und Entwicklungsthemen der Informations- und Kommunikationstechnologie wahrgenommen werden«, so Fellner bei seinem Amtsantritt.

Der Vorsitzende des Fraunhofer IUK-Verbunds wird im dreijährigen Turnus aus dem Kreis der Institutsleiter der Mitgliedsinstitute gewählt. Dieter Fellner, der neben der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD auch den Lehrstuhl für Informatik an der Technischen Universität Darmstadt innehat, war in den letzten sechs Jahren bereits als stellvertretender Vorsitzender des Fraunhofer IUK-Verbunds tätig.

Der gebürtige Österreicher ist Experte für Computer Graphics und Visual Computing. Er ist Mitglied in zahlreichen internationalen Expertengremien, darunter das Executive Committee der Eurographics Association sowie das SEAHA International Advisory Board der Universitäten Oxford, UCL und Brighton.