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Armut ist nicht nur materiell, sondern auch emotional – kein schöner erster Schultag für benachteiligte Kinder

(c) Erster Schultag: Quelle CC0 Public Domain

Private Hilfsorganisationen müssen Hand in Hand mit öffentlichen Stellen arbeiten

Armut wird für Kinder vor allem dann zum Problem, wenn sie sie im Vergleich mit anderen Kindern erleben. Und so ist auch der Schulanfang für Kinder aus sozial benachteiligten Familien eine echte Herausforderung. Wenn die einen von dem Karibikurlaub mit den Eltern erzählen, können andere oft nicht einmal über schöne Stunden im heimischen Freibad berichten. „Hier wird Armut hautnah erlebbar, hier empfinden Kinder ihre Benachteiligung“, erklärt Marc Peine, Gründer und Geschäftsführer von Kinderlachen e.V., eine der größten Kinderhilfsorganisationen im deutschsprachigen Raum. Mit staatlichen Zuschüssen und Sozialleistungen allein sei es nicht getan. Kinder bräuchten konkrete Hilfe – materiell und emotional.

Aktuelle Zahlen, die das Europäische Statistikamt Eurostat unlängst veröffentlicht hat, belegen, dass schon 2014 mehr als 3,4 Millionen Kinder und Jugendliche in einem Haushalt lebten, der sich keine einwöchige Urlaubsreise leisten kann – das sind 23,8 Prozent aller unter 18-Jährigen. Insgesamt sind der Erhebung zufolge fünf Prozent der Minderjährigen in Deutschland von deutlichen materiellen Entbehrungen betroffen. Obwohl Deutschland eines der reichsten Länder der Welt ist, kommt dieser Reichtum nicht bei allen an, beobachtet auch Marc Peine.

„Vielen Kindern in Deutschland mangelt es an ganz alltäglichen Dingen: an eigenen Möbeln, einem Schreibtisch für die Schulaufgaben oder sogar am eigenen Bett“, so Peine. Zwar gäben Bund, Länder und Kommunen Jahr für Jahr mehr Geld für die Bekämpfung von Kinderarmut aus, jedoch werde dadurch nicht automatisch jedem Kind Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Kinderlachen e.V. wurde gegründet, um denjenigen Kindern zu helfen, denen es trotz staatlicher Unterstützung an elementaren Dingen fehlt. Dabei bedient sich die Hilfsorganisation mit Hauptsitz in Dortmund ausschließlich privater Mittel in Form von Spenden – „um den staatlichen Fördertopf nicht noch zusätzlich zu belasten“, wie Peine betont. „Wir helfen auch in Form von Erlebnissen und kindgerechten Events, in dem wir Kindern eine Vereinsmitgliedschaft bezahlen oder durch konkrete Hilfe im gesellschaftlichen Bereich, etwa in dem wir eine Sportausrüstung besorgen, die ein Kind braucht, um überhaupt erst einen Sport betreiben zu können.“ Armutsbekämpfung sei nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Sensibilität. Wer Kindern ein Lachen schenken wolle, müsse mehr tun, als Sozialtransfers verteilen. Hier seien private Initiativen gefragt. Diese bräuchten aber bessere Rahmenbedingungen.

„Staat und Kommunen schaffen das nicht allein. Neben der reinen finanziellen Grundsicherung braucht es auch individuelle Unterstützung mit ganz alltäglichen Dingen oder persönlichen Erfahrungen“, verdeutlicht Peine, dessen Kinderlachen e.V. schon Tausenden Kindern konkret geholfen hat. „Wir wünschen uns mehr private Spender und staatliche Institutionen, die uns als Partner sehen. Nur wenn private Hilfsorganisationen Hand in Hand mit öffentlichen Einrichtungen und Jugendämtern zusammenarbeiten, kann Armut wirklich wirksam und nachhaltig bekämpft werden.“

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